Buchreview Jane Harper

Eine kleine Stadt irgendwo in Australien. Eine schlimme Dürre, die den ohnehin schon gefährdeten Frieden unter den Bewohnern der Stadt bedroht. Und ein Haufen schmutziger Geheimnisse, die tief in den verrotteten Wurzeln der Stadt stecken. Die Sonne brennt vom Himmel herab und die Fliegen warten: Es ist der perfekte Ort für einen Mord.

Willkommen in Kiewarra

Nachdem er eine ominöse Nachricht erhält, die seine Anwesenheit verlangt, kehrt Bundesagent Aaron Falk zum ersten Mal nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt zurück, um an der Beerdigung seines besten Freundes Luke teilzunehmen. Vor 20 Jahren, als Falk des Mordes beschuldigt wurde, war Luke sein Alibi. Aber jetzt weiss plötzlich mehr als nur eine Person, dass sie damals nicht die Wahrheit gesagt haben… und Luke ist tot.

“He thought about the dark-eyed girl and about a lie forged and agreed on twenty years ago as fear and teenage hormones pounded through his veins…How short was the road from that decision to this moment? The question ached like a bruise.”

Inmitten der schlimmsten Dürre des Jahrhunderts stellen Falk und der örtliche Detective Untersuchungen an, was wirklich mit Luke und seiner Familie passiert ist. Bald tauchen längst vergrabene Geheimnisse wieder auf, ebenso wie die Lügen, die sie ihr Leben lang heimsuchen. Und Falk muss feststellen, dass kleine Städte schon immer grosse Geheimnisse verborgen haben.

RELATED: Buchreview zu The Weight of Lies von Emily Carpenter

Kritik

Was für ein herrlich spannendes Buch! Jane Harper ist eine Meisterin darin, Stimmungen und Atmosphäre mit ihren Beschreibungen heraufzubeschwören. Die Hoffnungslosigkeit der Dürre und das triste Kleinstadtleben in der Wüste von Australien wird mit jedem Wort zum Leben erweckt.

“Somewhere in the inky garden the nocturnal insects rattled like white noise.”

Die Charaktere, allen voran Protagonist Aaron Falk, sind sympathisch, aber nicht klischeehaft oder überzogen. Man ist sich bis zum Schluss nie sicher, wem man wirklich trauen kann, denn jeder Charakter versteckt seine eigenen Geheimnisse und Motivationen. Jane Harper schafft es, diesen Charakteren durch ihre Texte eine echte Menschlichkeit zu verpassen. Sie sind verletzlich, machen Fehler und sind alles andere als perfekt oder unschuldig – und genau das ist es, was einem als Leser mit ihnen sympathisieren lässt.

“To look out and see not another soul between you and the horizon could be a strange and disturbing sight.”

Das bedrückende Gefühl der fiktiven, sterbenden Kleinstadt Kiewarra bietet die perfekte Kulisse für diesen Thriller. Harper kombiniert das klassische Setting mit einer schweren Dürre, die das finanzielle und mentale Wohl der hauptsächlich aus Bauern bestehenden Bewohner bedroht und gibt noch eine Prise einer ungeklärten Todesfall vor 20 Jahren. Eine explosive Mischung, die nicht enttäuscht und den Leser von der ersten Seite an jede Seite gespannt umblättern lässt.

Haper legt gekonnt Spuren und lässt einem bis zum Ende rätseln und überlegen. nur um dann im nächsten Kapitel das ganze Kartenhaus wieder zusammenstürzen zu sehen. Und obwohl ich jemand bin, der oft schon früh den Plot durchschaut, habe ich bei “The Dry” nie das Ende so kommen sehen, wie es sich ausspielt.

Fazit

Ich habe dieses Buch in zwei Tagen auf dem Heimweg von einem Festival gelesen! Es war so spannend, dass ich es kaum weglegen wollte. Und wenn ich es doch musste, dann habe ich mich dabei erwischt, wie ich daran herum studiert habe, wer der Mörder sein könnte.

Ich war in die Charaktere investiert und wollte wissen, was passiert, sowohl in der gegenwärtigen Geschichte mit Luke Hadler, wie auch in der Vergangenheit der beiden Jungs. Und ich wurde am Ende nicht enttäuscht!

Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten, bald mit dem zweiten Buch anzufangen!

Follow me on Goodreads!