Boom Festival Erlebnisbericht

Ich liebe Festivals. Tagelang umgeben von guter Musik und coolen Leuten, mit lieben Freunden eine Zeltstadt aufbauen, die Nacht durchmachen und zusammen Lieblingskünstler feiern und in nostalgischen Erinnerungen schwelgen. Ich kann mir nicht viele Events vorstellen, an denen ich lieber lange Sommernächte verbringen würde!

Dieses Jahr habe ich allerdings mal etwas Neues ausprobiert. Nach meinem Wochenendtrip ans Southside Festival, an dem ich tolle Künstler wie die Arctic Monkeys, Jeremy Loops, Tom Walker und CHVRCHES sehen durfte, habe ich mich an ein neues Genre von Festival gewagt. Das Boom Festival ist ein Psytrance-Musikfestival, das nebenbei aber auch viel Bühne für Kunst, Theater und Aktivismus bietet.

Boom Festival Erlebnisbericht

Boom Festival Erlebnisbericht

Alle 2 Jahre findet dieses Festival in Portugal, nahe der Grenze zu Spanien in Idanha-a-Nova statt und zieht Zehntausende von Menschen aus der ganzen Welt an. Neben zwei grossen Tanzbühnen findet man auf dem weitläufigen Gelände – treffend vom Veranstalter “Boom Land” genannt und so auch auf Google Maps zu finden – unzählige Kunst-Installationen, Skulpturen und liebevoll dekorierte Gärten, in denen verweilt werden kann.

Neben einer Woche Tanzen zu Trance, Psy, und Techno kann man als Besucher täglich an Meditations- und Yogastunden teilnehmen, Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen wie Umweltschutz oder Politik anschauen oder auf diversen Klein-Bühnen Weltmusik hören oder gar Tanzstunden dazu mitmachen.

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Die Lage

Das Boom Land liegt an einem grossen See, und das ist auch gut so. Denn im Juli, wenn das Festival stattfindet, wird es täglich über 30° Celsius heiss und man ist als Besucher sehr froh um diese Badegelegenheit. Durch die grosse Hitze und die Lage im eher ländlichen Gebiet von Portugal ist es sehr trocken und staubig. Es gibt keine Wiesen, wo man das Zelt bequem auf weichem Gras aufstellen kann. Stattdessen wird auf hartem “Wüstenboden” gezeltet.

Das tut dem ganz speziellen Feeling, das man im Boom Land bekommt, aber keinen Abbruch. Stattdessen fühlt man sich sehr schnell schon fast wie auf einem ganz anderen Planeten, weit weg vom Alltag und dem alten Leben.

Unsere Ankunft

Man erreicht das Boom Land in Idanha-a-Nova eigentlich nur per Auto oder, wenn man erfahrener und ausdauernder Wanderer ist, wohl auch zu Fuss. Aber die Anfahrt ist unglaublich lange und man muss erst zwei Tore und viele sehr lange Landstrassen passieren, bevor man überhaupt zum Parkplatz kommt.

Wir sind extra einen Tag vor dem offiziellen Festival-Beginn angereist, um nicht so lange anstehen zu müssen. Doch selbst dann mussten wir insgesamt über 7 Stunden warten, bis wir endlich unsere Zelte aufschlagen konnten. Viele Stunden haben wir mit Warten im Auto in der brütenden Hitze verbracht. Doch lustigerweise kam uns die Zeit gar nicht so schlimm vor, wie das jetzt klingen mag!

Wenn man nämlich ankommt, ist die Stimmung auch während dem Warten bereits unter allen Besuchern ziemlich gut. Es läuft Musik aus den Autos und die Leute steigen aus, gehen ein bisschen spazieren und schwatzen miteinander. Einzig die Hitze verpasst dem Ganzen einen Dämpfer. Spätestens wenn man aber endlich im Camp ankommt, hat sich das ganze Warten recht schnell gelohnt!

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Das Festival

Wie bereits erwähnt, gibt einem das Boom Festival bereits nach ein paar Stunden das Gefühl, ganz weit weg vom Alltag und der restlichen Welt zu sein. Durch die grosse, liebevoll gestaltete Fläche voll mit Kunstwerken, schönen Laternen und den faszinierenden Bühnen kann man sich nie an der Szenerie satt sehen und entdeckt bei jedem Spaziergang wieder etwas Neues!

Boom Festival Erlebnisbericht

Die Stimmung am Festival war von Anfang an sehr positiv und friedlich, die Leute sind nett zueinander und man lässt jedem seinen Raum. Ich habe mich von Beginn weg sehr wohl und akzeptiert gefühlt, was ich nicht bei jedem Festival, an dem ich war, so sagen kann. Das liegt, meines Erachtens nach, auch daran, dass so gut wie kein harter Alkohol auf dem Gelände ausgeschenkt wird.

Natürlich sollte man deswegen nicht gleich davon ausgehen, dass alle Besucher des Festivals nüchtern sind. Wer sich in der Gegenwart von Drogen oder Drogenkonsum nicht wohl fühlt, ist am Boom Festival wohl am falschen Ort. Mich persönlich hat es in keinerlei Hinsicht gestört oder beeinträchtigt.

Die Musik

Eins muss gesagt sein: Man sollte die Musikrichtung des Boom Festivals schon mögen, wenn man an dieses Event reist. Denn man kommt sehr, sehr schwer darum herum, diese Musik geschätzte 15-20 Stunden am Tag zu hören. 😋 Für Fans von Techno, Minimal, Goa und Trance ist das Festival aber genau der richtige Ort!

Die gesamte Woche über bieten zwei Tanzbühnen sowie auch die Chillout Bühne DJs und Künstler aus aller Welt eine Plattform, ihre Musik zum Besten zu geben. So ergibt sich eine riesige Vielfalt und man entdeckt gut und gerne einen neuen Lieblingskünstler darunter.

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Die Message

Was mir persönlich am Besten gefallen hat, war die Message, die das Festival seinen Besuchern zu vermitteln versucht.

Cultivate Freedom & Love

So steht es bereits auf dem Bändchen, das man am Eingang zum Festival bekokmmt. Und daran hält sich das Boom auch. Es gibt keine Ländergrenzen, keinen Rassismus und keinen Hass am Boom. Stattdessen wird Wert gelegt auf Respekt, Liebe und Grosszügigkeit. Man wird ermutigt, die eigene Comfort Zone zu verlassen und etwas Neues zu entdecken, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen, ganz ohne Vorurteile. 💛

Fazit

Trotz Hitze und Staub und kurze Nächte auf hartem Boden habe ich meine Zeit am Boom Festival sehr genossen. Es hat sich wirklich nicht angefühlt, als wäre ich nur eine Woche da, sondern viel, viel länger. Selten hat es ein Urlaub oder gar ein Festival geschafft, mich so aus dem Alltag zu reissen, dass ich den Stress und die ganzen Pflichten zuhause  zeitweise wirklich komplett vergessen konnte.

Ich weiss nicht, ob ich in zwei Jahren wieder in Idanha-a-Nova sein werde. Aber ganz ausschliessen möchte ich es auf keinen Fall, denn wenn ich ehrlich bin, dann sehnt sich mein Herz bereits jetzt schon ein bisschen nach diesem friedlichen Ort, der mir zumindest eine lange Woche wie meine zweite Heimat vorkam. 💛

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